HRV zeigt, was im Körper passiert – aber wodurch entsteht das Ergebnis?
Wohlbefinden und Regeneration lassen sich heute genauer messen als je zuvor. Eine HRV-Messung kann Coach und Klient konkret zeigen, wie der Körper im Alltag belastet wird und wie gut er sich erholt.
Das sind wertvolle Informationen.
Doch nach der Messung stellt sich häufig eine noch wichtigere Frage:
Warum sieht die Situation so aus?
Wenn die Messung zeigt, dass die Regeneration eingeschränkt ist, reicht es aus Sicht des Coachings nicht aus, dies lediglich festzustellen. Im nächsten Schritt geht es darum zu verstehen, welche Faktoren im Alltag des Klienten zu dieser Situation beigetragen haben könnten – und vor allem, welche davon sinnvoll verändert werden sollten.
Genau hier eröffnet die Kombination aus objektiver Messung und subjektiver Wohlbefindensanalyse eine neue Ebene im Coaching.
Die Messung zeigt die Situation – die Analyse hilft, die Hintergründe zu verstehen
Die Rollen der HRV-Messung und des Wellbeing Navigators lassen sich einfach zusammenfassen:
HRV-Messung zeigt, was im Körper passiert.
Der Wellbeing Navigator hilft zu verstehen, welche Alltagsgewohnheiten hinter der Situation stehen könnten.
Im Wellbeing Navigator werden Bewegung, Ernährung sowie Schlaf und Regeneration betrachtet.
Werden diese Informationen mit der HRV-Messung kombiniert, sieht der Coach nicht nur das Ergebnis, sondern erhält ein umfassenderes Bild von der Situation des Klienten.
Wenn die Regeneration in der Messung schwach erscheint, können zum Beispiel zu wenig Schlaf, ein unregelmäßiger Tagesrhythmus, ein hektischer Alltag, zu intensive körperliche Belastung, unzureichende Erholung nach dem Training oder Herausforderungen bei der Ernährung dahinterstehen.
Oft geht es dabei nicht nur um einen einzigen Faktor.
Kleine Dinge können sich im Alltag summieren, und ihre Gesamtwirkung zeigt sich am Ende sowohl im subjektiven Erleben des Klienten als auch in der physiologischen Messung.
Objektive und subjektive Informationen stehen nicht im Wettbewerb
Wenn über die Messung von Wohlbefinden gesprochen wird, werden objektive Daten und die eigene Wahrnehmung des Menschen manchmal gegeneinander gestellt.
Für mich ist die viel interessantere Frage, was passiert, wenn man beide miteinander verbindet.
Eine HRV-Messung kann zeigen, dass sich der Körper nicht auf einem optimalen Regenerationsniveau befindet.
Gleichzeitig kann der Klient selbst das Gefühl haben, relativ gut zu schlafen und keine besondere Belastung wahrzunehmen.
In einer anderen Situation kann sich ein Klient ständig müde fühlen, obwohl eine einzelne Messung keine besonders auffälligen Werte zeigt.
In beiden Fällen ist das Gespräch wichtig.
Die Messung macht physiologische Informationen sichtbar. Die Wohlbefindensanalyse bringt den Alltag und die eigene Wahrnehmung des Klienten mit ein.
Wenn beide Perspektiven nebeneinandergestellt werden, entsteht häufig ein deutlich hilfreicheres Coaching-Gespräch, als es mit nur einer der beiden Methoden möglich wäre.
Von der Messung zur Handlung
Das Ziel des Coachings besteht jedoch nicht darin, möglichst viele Daten zu sammeln.
Das Ziel ist, dem Klienten dabei zu helfen, Veränderungen umzusetzen, die in seinen Alltag passen.
Wenn die Messung auf eine schwache Regeneration hinweist, kann man dem Klienten natürlich sagen:
„Du solltest dich besser erholen.“
Doch damit kommt man noch nicht besonders weit.
Viel hilfreicher ist es, im Gespräch Fragen wie diese zu klären:
Was belastet deinen Alltag im Moment am meisten?
Welchen Faktor könntest du realistisch als Erstes beeinflussen?
Liegt die wichtigste Veränderung aktuell beim Schlaf, bei der Bewegung, bei der Ernährung oder vielleicht ganz woanders?
Und wie groß muss die Veränderung überhaupt sein?
Die Verbesserung des Wohlbefindens bedeutet häufig nicht, das gesamte Leben neu zu organisieren. Eine kleine Veränderung an der richtigen Stelle kann deutlich wirksamer sein als eine große Veränderung in einem Bereich, der für den Klienten gerade gar nicht das wichtigste Thema ist.
Dieselbe Information motiviert nicht jeden auf die gleiche Weise
Auch wenn ein Coach weiß, was der Klient verändern sollte, bleibt noch eine entscheidende Frage:
Wie schaffen wir es, dass dieser Klient die Veränderung tatsächlich in seinen Alltag integriert?
Hier bringt die Analyse des natürlichen Handlungsstils im Wellbeing Navigator eine dritte Perspektive in das Coaching.
Menschen verarbeiten Informationen, motivieren sich und treffen Entscheidungen nicht auf die gleiche Weise.
Ein Klient möchte die Messergebnisse genau sehen und verstehen, warum sich eine bestimmte Veränderung lohnt.
Ein anderer braucht einen klaren Plan: Was mache ich, wann mache ich es und wie verfolgen wir die Entwicklung?
Für einen dritten können Gespräche, Ermutigung und eine gute Interaktion ein wichtiger Teil der Veränderung sein.
Ein vierter braucht Freiraum, Herausforderung und die Möglichkeit, selbst auszuprobieren, was funktioniert.
Deshalb bedeutet dasselbe Messergebnis nicht, dass alle Klienten auf die gleiche Weise gecoacht werden sollten.
Für den Coach ist die Frage letztlich sehr praktisch: Wie spreche ich mit genau diesem Klienten so, dass aus Information tatsächlich Handlung wird?
Drei Perspektiven auf denselben Klienten
Durch die Kombination aus Livtec HRV-Messung und Wellbeing Navigator kann die Situation des Klienten aus drei verschiedenen Perspektiven betrachtet werden:
1. Was passiert im Körper?
Die HRV-Messung liefert objektive Informationen über Belastung und Regeneration.
2. Welche Faktoren des Alltags könnten hinter der Situation stehen?
Der Wellbeing Navigator betrachtet Bewegung, Ernährung sowie Schlaf und Regeneration.
3. Wie sollte die Veränderung mit genau diesem Klienten umgesetzt werden?
Der natürliche Handlungsstil hilft zu verstehen, wie der Klient Informationen verarbeitet, sich motiviert und handelt.
Die Verbindung dieser drei Perspektiven macht aus einem Messergebnis ein Werkzeug für das Coaching.
Es geht dann nicht mehr nur darum, was das Messgerät zeigt, sondern darum, was wir als Nächstes mit diesen Informationen machen.
Die Zukunft des Wellbeing-Coachings bedeutet nicht mehr Messgeräte, sondern ein besseres Gesamtbild
Mit der Weiterentwicklung der Technologie wird die Menge an Wohlbefindensdaten wahrscheinlich weiter zunehmen.
Die wichtigste Aufgabe eines Coaches besteht jedoch nicht darin, Messdaten weiterzugeben.
Der eigentliche Mehrwert entsteht dann, wenn Messdaten mit dem Alltag, der eigenen Wahrnehmung, den Zielen und dem Verhalten des Klienten verbunden werden.
Deshalb sind objektive und subjektive Messungen keine Alternativen zueinander.
Im besten Fall ergänzen sie sich.
Die HRV-Messung hilft, die Situation zu erkennen.
Der Wellbeing Navigator hilft, die Hintergründe zu verstehen.
Der natürliche Handlungsstil hilft, dieses Verständnis in eine für den Klienten passende Handlung zu übersetzen.
Und genau an diesem Punkt wird aus Messen Coaching.

